Und am 24.5.: Die abhandene Welt

Die abhandene Welt

Margarethe von Trotta
Die abhandene Welt
D 2015, 101 min.

Der Verleih habe ihr geraten, nicht zu verhehlen, dass diese Geschichte autobiografisch geprägt sei – ansonsten würde sie keiner glauben, erzählte Margarethe von Trotta in einem Interview. Tatsächlich klingt diese Story so haarsträubend, als stamme sie aus den Schubladen von Telenovela-Autoren. Doch diese Geschichte schrieb das Schicksal selbst: Erst spät im Leben begegnet die Regisseurin per Zufall ihrer Schwester, von der sie nichts ahnte. Nach langem Zögern verarbeitete von Trotta dieses Erlebnis zu einem Film, einmal mehr mit ihren Lieblingsschauspielerinnen Barbara Sukowa und Katja Riemann, die hier das Alter Ego spielt, die mittellose Musikerin Sophie. Deren Vater Paul (Matthias Habich) entdeckt im Internet zufällig das Foto der New Yorker Opernsängerin Caterina Fabiani (Barbara Sukowa), die seiner verstorbenen Frau Evelyn verblüffend ähnlich sieht. Paul drängt seine Tochter, sofort nach Amerika reisen, um dort die Sängerin zu treffen. Widerwillig macht sich Sophie auf die Reise und schleicht sich in die Garderobe der Diva. Die
reagiert zunächst abweisend auf den Besuch aus ihrer alten Heimat. Auch von der Mutter der Sängerin erhofft sich Sophie neue Erkenntnisse, trotz Demenz der alten Dame (Karin Dor) finden sich Puzzlestücke,
die Stück für Stück ein neues Bild ergeben. Zurück in Deutschland geht die Spurensuche weiter: Wer spielt eigentlich welche Rolle in dieser vertrackten Familienaufstellung? Einfach stark gespielt.

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Und am 10.5. um 19.30h: Unter den Brücken

Unter den Bruecken

Helmut Käutner
Unter den Brücken
D 1944/46, 99 min.

Unter den Brücken ist eine poetisch erzählte Dreiecks-Geschichte aus dem Jahr 1944/45 mit eindrucksvollen Bildern von Havel und Spree. Das besondere aber ist – obwohl während der NS-Diktatur produziert – ist kein einziger Propaganda-Satz zu hören. Gedreht wurde noch in den Kriegsjahren 1944/45 an Originalschauplätzen in Berlin – dennoch sind keinerlei Zerstörungen zu sehen. Käutner war gedanklich längst in der Nachkriegszeit angekommen und setzte sich mit diesem Film eindeutig von der politisch unterwanderten Filmszene jener Jahre ab. Die Uraufführung fand deshalb auch in Stockholm statt und war zunächst in Deutschland nicht zu sehen. „Wir lebten verträumt neben der Zeit und lenkten uns durch die Arbeit von all dem Schrecken ab”, erzählte Käutner später. Die zwei leidenschaftlichen Schipper Hendrik Feldkamp (Carl Raddatz) und sein bester Freund Willy (Gustav Knuth) arbeiten auf ihrem gemeinsamen
Schleppkahn. Es ist ein hartes Brot und sie hegen gemeinsam den Traum vom eigenen Motorschiff. Liebesleben findet unter diesen Bedingungen so gut, wie nicht statt.
Doch dann kommt Anna (Hannelore Schroth) an Bord…

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Und am 30.4. um 22:15h: The Rocky Horror Picture Show

Rocky Horror Picture Show

Jim Sharman
The Rocky Horror Picture Show
USA 1975, 100 min.

Tanz in den Mai – diesmal auf der Leinwand: Dieses Musical ist wohl mit das Durchgeknallteste, was die Spätsiebzuger hervorgebracht haben – und eines der am längsten verehrtesten Kultfilme aller Zeiten. Dass das Publikum einen Film nahezu synchron mitsingen konnte, war auch für langerprobte Kinobetreiber eine neue Erfahrung – Reiskorn-Regen inklusive…

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Und am 26.4. um 19.30h: Leviathan

Leviathan

 

Andrei Swjaginzew
Leviathan
Russland 2014, 142 min.

Die Geschichte ist eine moderne Adaption des Buches Hiob aus dem Alten Testament – sie beschreibt die Lebensgeschichte und das Gottesverhältnis eines frommen und aufrechten Mannes.
Regisseur Andrei Swjaginzew verlegt die Handlung auf eine Halbinsel in der Barentssee. Ein einfacher Automechaniker lebt mit seiner zweiten Frau und seinem Sohn in einem idyllisch gelegenen Haus am Rande der Stadt. Doch der korrupte Bürgermeister der Stadt versucht ihm sein Grundstück abzuluchsen. Kolya versucht sich zu wehren und die Machenschaften öffentlich zu machen – vergebens, die Gewalt des Bösen triumphiert.
Der russische Filmkritiker Anton Dolin nannte den Film ein „melancholisches Drama des Überlebens in der grauen, unwirklichen Provinz”, in der sich die Natur und der Mensch zugleich „grausam und malerisch”  zeige. Kulturminister und religiöse Eiferer hingegen attackierten den Film scharf und er ist bis heute nur als zensierte Fassung zu sehen. Wunderschön fotografiert, wird die Geschichte vielschichtig und tragikomisch erzählt und erinnerte viele Kritiker an die späten Tarkowski-Filme.

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Und am 12.4. um 19.30h: Bird

Bird

Clint Eastwood
Bird
USA 1988, 161 min. (OmU)

Liebevolle Hommage an den begnadeten Jazz-Saxophonisten Charlie „Bird” Parker und die Magie seiner Musik. Mit ruhigem Erzähltempo stellt der Film die tragischen Lebensumstände, seine Obsessionen und den teuflischen Drogenkonsum in den Vordergrund – für viele Kritiker eine der gelungensten Regiearbeiten Eastwoods.
Whitaker spielt die Rolle des selbstzerstörerischen Genies sehr facettenreich, von zurückgenommen bis fiebrig-überdreht, ehrlich und authentisch in seinem Aufstieg und dem langen Fall durch die Drogenabhängigkeit. Eastwood nimmt sich gut 160 Minuten für die Geschichte dieser Jazz-Legende und er nutzt diese Zeit, den Zuschauer in die Atmosphäre der amerikanischen Musikszene der 40er und 50er Jahre eintauchen zu lassen, in die Bars und Bebop-Clubs in New York und Kansas City zu entführen.
Von innerem Schmerz getrieben, stürzt Parker endgültig ab, verliert jeglichen Halt – und stirbt mit nur 34 Jahren in New York. Sein Name aber bleibt unverrückbar mit dem BeBop verbunden – ein absolutes „Muss” für Liebhaber des Jazz.

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Und am 29.3. um 19.30h: Phoenix

PHOENIX 2013

Christian Petzold
Phoenix
D 2014, 98 min.

Eine Frau überlebt wie durch ein Wunder Auschwitz. Doch ihr Gesicht ist zerstört und auf Vermittlung einer Freundin rekonstruiert ein Chirurg ihre alte Schönheit. Dann macht sie sich auf die Suche nach denjenigen, die ihr Versteck damals an die Nazis verraten hatten. Dabei findet sie auch ihren Mann Johnny – doch ihre Hoffnung auf einen Neubeginn ihrer Liebe wird zerstört, weil er sie entweder wirklich nicht erkennt oder sie nicht erkennen will?
Regisseur Christian Petzold spürt subtil das Zeitgeschehen auf – Erinnerung an die Hölle von Auschwitz, verborgen in den tiefen Schichten der menschlichen Seele, statt eine Geschichte nur nachzuerzählen. Herausgekommen ist eine erschütternde Parabel auf Deutschland im Jahre Null und auf den Versuch, den Holocaust durch Verschweigen und Vergessen zu löschen. Ein Minenfeld der Geschichte als menschliches (Krimi-) Drama.

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